Als Eric seinen Laden eröffnete, war ich unter seinen Nachbarn. Wir waren mehrere Neuankömmlinge, die zum Ende des Jahrtausends – ohne uns gegenseitig zu kennen – auf der „place de l’église“ sich einfanden. Neugierde! Sympathie! Beginnende Freundschaften!

Ein Töpfer, ein Kunsthandwerker, der sich ohne jegliche Anfrage in einem Städtchen niederlässt am Ende des Jahres 2000, das war schon eine Herausforderung! Eine Herausforderung und gleichermaßen ein Ermutigung für jene, die genauso ihr Eigenes verwirklichen wollen, die es vorziehen – wie er – alleine zu arbeiten, im eigenen Rhythmus zu bleiben. Aber das Leben will verdient sein, Zweifel müssen angegangen werden, ebenso wie die Schwierigkeiten und Ungewissheiten des Berufs. Das ist kein Kinderspiel.

Beim Vorbeigehen während des Einkaufens hereinkommen auf leisen Sohlen, nachdem man einen Blick auf die ausgestellten Objekte hinter der Theke geworfen hat, die den Verkaufsraum vom Werkstattbereich trennt. Den Blick verweilen lassen auf den Pinseln und den kleinen farbigen Gefäßen. Ganz im Hintergrund vor dem alten Kamin – die Töpferscheibe und einige Stufen nach oben, der Brennofen und der Trocknungsbereich. Der Töpfer bewegt sich von einem Arbeitsort zum anderen gemäß einer Choreographie, die die Verhältnisse in dem kleinen Raum vorgeben: Die Erde, den Ton heraufholen, kneten, drehen, hinaufsteigen, die Werkstücke in den Ofen stellen, heruntersteigen, in der Bewegung innehalten, die Glasur auftragen. Langsam wird man vertraut mit der inneren Dramatik des Vorgangs, in dem ein Klumpen Ton die Hauptrolle spielt – aufsteigt, absteigt, wieder heraufkommt, hohl wird auf der Scheibe und dann die Geburt der endgültigen Form.

Bei den einzelnen Werdestufen der Fabrikation, vor dem Brand, vor dem Moment des Bemaltwerdens, dabei sein, Fragen stellen. Große Laiber aus schwarzem, weißem und rotem Ton liegen auf dem Fußboden, wartend. Eine Schüssel mit Wasser, um die Hände eintauchen zu können vor dem Drehen.

Die Kundschaft – gleichermaßen ortsansässig und touristischer Herkunft, was oftmals nicht genau zu unterscheiden ist. Eric arbeitet direkt vor ihnen, aber wenn man mit ihm ins Gespräch kommen will, steht er zur Verfügung, er ist neugierig und offen zugleich, er kennt seine Kunden, er interessiert sich dafür, wohin seine Keramik geht, manchmal erhält er Fotos, es ist ein menschlicher Austausch, ein Geben und Nehmen, man kommt von Jahr zu Jahr in die Töpferei zurück, um neue Kreationen zu entdecken, um die eigene Sammlung zu bereichern.

Diese ortsgebundene Tätigkeit findet ihre Ergänzung durch eine andere Aktivität, die des Reisens. Im Herbst, wenn der intensive Rhythmus der Arbeits- und Verkaufssaison abebbt, bricht der Töpfer auf zu einer längeren Reise, welche er vorbereitet hat, oder besser gesagt, welche in seinen Träumen während der künstlerischen Arbeit mehr und mehr Gestalt annahm. Er vergisst dann alles, sagt er, was ihn in Beschlag nimmt während seiner Anwesenheit in Pont-Croix. In diesem Loslassen dürfen die Farben, die er so großzügig an seine Objekte weitergibt, neu Einzug halten, die Landschaften, die Begegnungen, alle die Empfindungen, die, ohne dass man wüsste wie genau sie es tun, einer neuen Schaffensperiode, beginnend gegen Weihnachten, die spezifische Richtung geben, ihr den entsprechenden Klang verleihen.

Christine Lapostolle, Février 2019